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Unsere Freiheit am Schwenkgrill verteidigen!

Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

TOP 25, Pluralismus statt Ideologie im Nahrungsmittelangebot öffentlicher Kantinen (Drs. 18/3947neu)

Wer über praktische Herausforderungen der Integration redet, muss über Sprache, Bildung, Wohnung, Arbeit sprechen. Wofür entscheidet sich die CDU? Das Schwein!

Sie hat, als antragstellende Fraktion, klargestellt, dass es ihr mit ihrem Antrag ernst ist, sie sich aber nicht ernst genommen fühlt. Man fragt sich, warum. Denn eigentlich berührt das Anliegen doch Grundlagen der menschlichen Kultur seit ihren Anfängen. Die Anthropologin Marija Gimbutas kam in ihrer Theorie über eine matriarchale Kultur im prähistorischen Europa zu dem Befund: „Das heilige Tier der schwangeren Göttin ist das weibliche Schwein.“ Mit jeder Bratwurst nehmen wir demnach im Sinne der Transsubstantiation auch ein Stück Göttin in uns auf.

Statt also frauenpolitische Defizite der CDU bei der Kandidatennominierung hochzuziehen – selbst bei den Schweinen im Weltall gibt es eine Frauenquote von 33 Prozent –, sollten wir ihr dankbar sein, einen nachgerade theologischen Beitrag zum gestrigen Internationalen Frauentag geleistet zu haben.

Jetzt mal auf einer Skala von 1 bis Daniel Günther: Wie sehr soll diese Initiative ein weiterer Schritt auf dem Weg zur „Schlachtplatte Ingbert“ sein?

Die CDU fordert keine Schweinefleischpflicht. Sie will, dass Kantinen und Kindergärten Schwein anbieten wollen. Frei nach Goethe: „Pflicht ist, wo man liebt, was man sich selbst befiehlt.“ Das Land soll nicht befehlen, nur „dafür sorgen“, dass man sich selbst befehle…

Zu Recht wird in Zeiten der Globalisierung immer wieder die Frage nach kultureller Identität gestellt. Der Rechtswissenschaftler Arnd Uhle hat dafür die folgende Definition gegeben: „die Gesamtheit der kulturell geprägten Werte samt der daraus resultierenden Weltsichten und Denkweisen sowie der […] Verhaltens- und Lebensweisen […], die das Eigenbild einer Kulturgemeinschaft – namentlich einer Nation – prägen“.

Die CDU kommt nun zur nämlichen Frage auf eine nicht minder differenzierte Antwort: Das Schwein. Da müsste jeder drauf kommen, der das Grundgesetz vor Unterschrift liest.

In diesem Monat entscheiden die Neuseeländer in einem Referendum über ihre Landesflagge. Sollten wir es ihnen nicht gleichtun? Was den Mecklenburgern ihr Ochsenkopf, könnte uns das Schwein sein!

Kurz habe ich mich über den Zeitpunkt dieser Initiative gewundert. Allerdings: Schon im Mittelalter warfen fastende Mönche Schweine in Brunnen, um sie anschließend heraus zu angeln und als Fisch zu verspeisen. Das beantwortet die Frage, ob es für eine christlich-demokratische Union zulässig ist, sich ausgerechnet in der Fastenzeit mit einer Schweinefleischoffensive zu befassen.

Besagte Mönche taten sich übrigens auch an Bibern gütlich, weil diese einen Teil ihres Lebens im Wasser verbringen und auch als Fisch verspeist werden konnten. Ich sehe, einige CDU-Kollegen denken gerade über den Antrag „Rettet den Wald – esst mehr Biber!“ nach.

Doch dafür ist die Lage zu ernst: wir stehen auf einem neuen Höhepunkt des jahrtausendealten Kulturkampfes zwischen Orient und Okzident. Heute kommen die muslimischen Flüchtlinge bekanntlich zu keinem anderen Zweck nach Mitteleuropa, als uns, Seite an Seite mit Vegetariern, Veganern und Rheumatikern, das Schwein madig zu machen. Hier gilt es, den Anfängen zu wehren und unsere Freiheit am Schwenkgrill zu verteidigen.

Es ist bis heute umstritten, warum die großen städtischen Kulturen des Zweistromlandes vor rund 4000 Jahren die Schweinhaltung zugunsten von Geflügel aufgaben. Vielleicht lag es an der besonders hohen Gefahr der Trichinose, vielleicht war es aber auch die Erfahrung, dass Schweine zu viel saufen, keine verwertbaren Nebenprodukte haben und schlecht zu transportieren sind.

Das Alte Testament und der Koran haben an dieser Abneigung gegen das Schwein festgehalten. Moses deklinierte sorgfältig durch, welche Tiere wiederkäuen und zugleich gespaltene Klauen haben. Das Schwein fiel durch, weil es zwar gespaltene Klauen hat, aber kein Wiederkäuer ist.

Mit Recht stellt der Antrag der CDU fest: „Oberstes Ziel muss eine gesunde und ausgewogene Ernährung sein“. Und wir alle wissen: Schweinefleisch ist so gesund, dass man es eigentlich nur in der Apotheke abgeben sollte.

Unsere Kinder haben das unveräußerliche Menschenrecht, nach Hause zu kommen und in der Schule Schwein gehabt zu haben. Es darf nicht soweit kommen, dass wir ihnen als eiserne Reserve zur Bewahrung ihrer kulturellen Identität eine Dauerwurst in den Rucksack stecken müssen!

Was sagen die kulturell-identitären Wohlstandsbauchbeauftragten übrigens zu Saltimbocca oder Schwein süß-sauer? Zählt das?

Die meisten von der CDU behaupteten Schweinefleischverbote haben sich nach ein wenig Recherche als nicht existent erwiesen. Bleibt die Sorge von Herrn Rickers, ein Berufsschulzentrum in Itzehoe habe Mettwurstbrötchen verbannt. Vermutlich werden die bald in dunklen Ecken auf dem Schulhof gedealt. Da gilt, wie auch für die Kolleginnen und Kollegen von der CDU: „Vorsicht, wenn du auf Mett bist, hast du schnell nur noch Freunde, die auch auf Mett sind!“