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Prüfungen sollen anspruchsvoll sein, aber auch fair

Nach den schlechten Ergebnissen der Abschlussarbeiten zum Ersten und Mittleren Schulabschluss hat die SPD Akteneinsicht genommen, um Klarheit über die Gründe für den Leistungseinbruch zu gewinnen. Nach einem Studium der Akten sagt Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion:

„Es ist eigentlich nicht die Aufgabe des Landtags, in den Fachunterricht und in die Abschlussklausuren unserer Schulen hineinzuregieren. Bei den Abschlussarbeiten zu Erstem und Mittlerem Schulabschluss (ESA, MSA) waren die Rückmeldungen jedoch so verheerend, dass zunächst das Bildungsministerium proaktiv über deren Ausgang informierte, leider aber nicht umfassend. In Kleinen Anfragen und im Bildungsausschuss haben wir deshalb nachgehakt (http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/drucks/00800/drucksache-19-00805.pdf ; http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/umdrucke/01300/umdruck-19-01302.pdf). Als die Auskunftsfreude der Bildungsministerin im Bildungsausschuss erschöpft war, mussten wir auf das Mittel der Akteneinsicht zurückgreifen. Ausschlaggebend war für uns, dass viele Schulen zurückgemeldet hatten, beim MSA sei besonders der Teilbereich Funktionen problematisch gewesen. Auf diesen haben wir uns in der weiteren Auswertung konzentriert.  

Nur ca. 20% der möglichen Leistungen (Punkte) konnten dort erreicht werden, ergab eine Erhebung des Bildungsministeriums auf Grundlage von 976 Arbeiten aus zwölf Gemeinschaftsschulen. Diese Zahlen werden vom Bildungsministerium selbst für repräsentativ gehalten, sollten der Öffentlichkeit aber bedauerlicherweise nicht zur Verfügung gestellt werden. Diese Zahlen werden besonders interessant im Zusammenhang mit dem Gutachten von Prof. Christina Drüke-Noe (PH Weingarten). In diesem war die besagte Aufgabe im Vorfeld kritisiert worden. Die Aufgabe, hieß es dort, „mutet eher gymnasial an“, sei „insgesamt sehr rechenlastig“ und die „Einkleidung in den Kontext überzeugt nicht immer“. Auch dieses Gutachten wurde uns trotz Nachfrage nur über den Weg der Akteneinsicht zugänglich gemacht. 

Die Bildungsministerin machte für die schlechten Ergebnisse die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte verantwortlich. Wir wissen nun: die Gründe lagen woanders. Umso schlimmer, dass Frau Prien nicht bereit war, im Interesse der Schülerinnen und Schüler die Bewertung der Abschlussarbeiten nachträglich zu korrigieren. Warum eigentlich nicht? Wenn ein Gutachten eine Aufgabe kritisiert und die Schülerinnen und Schüler dann landesweit genau dort abschmieren, wäre das eigentlich naheliegend gewesen. Es sein denn, die Bildungsministerin hätte vor nicht allzu langer Zeit den Hamburger Bildungssenator wegen eines ähnlichen Vorgangs überscharf kritisiert (Stichwort: Offenbarungseid) und sich nun aus politischen Gründen nicht getraut, im Interesse der Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein zu handeln…“