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Neben der Spitze nicht die Breite vernachlässigen!

TOP 19: Stand und Fortführung der Exzellenz-Initiative (Drs. 18/3835)

Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

 

Es gibt ja Menschen, die halten die SPD für eine leistungsfeindliche Gleichmacherpartei. Einer der vielen Beweise des Gegenteils ist die Exzellenz-Initiative. Es geht um Spitzenleistungen, es geht um Wettbewerb und es geht um den Forschungsstandort Deutschland.

Diese Initiative der ehemaligen Wissenschaftsministerin Bulmahn wurde jetzt evaluiert. Eine Kommission um Dieter Imboden hat überprüft, bewertet und Empfehlungen für die Zukunft entwickelt. Die Vorstellung des Berichts wurde mit Spannung erwartet, wenngleich weniger letzte Wahrheiten und mehr Diskussionsansätze zur Wissenschaftsorganisation enthalten sind.

Es sind Befunde, die zehn Professorinnen und Professoren, ganz überwiegend aus dem mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereich, zu Papier gebracht haben. Die Geisteswissenschaften sind gerade einmal durch eine Althistorikerin vertreten, deren Forschungsschwerpunkt, die Textilien in der Antike, auch noch sehr technikaffin sind. Diese Zusammensetzung macht mich als Historiker schon einmal argwöhnisch, der ich immer eine gewisse Sorge vor der Kannibalisierung der Geistes- und Kulturwissenschaften durch die MINT-Fächer habe.

Die Presseerklärung der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz vom 29. Januar 2016 stellt fest: „Imboden-Kommission: Exzellenz-Initiative erfolgreich“. Aber bildet sich das in dem Bericht tatsächlich so ab? Teilweise. Der Bericht analysiert den Einfluss der Exzellenz-Initiative auf die nach Ansicht der Kommission wichtigen so genannten Baustellen und kommt zu folgenden Ergebnissen:

„Universitäre Differenzierung nach Wissenschaftsbereichen und Forschungsqualität“: Kein nachweisbarer Effekt.

„Governance“, also effiziente Strukturen: abschließende Beurteilung der Wirkung der Exzellenz-Initiative nicht möglich.

„Studierendenzahlen und Qualität der Lehre“: die Exzellenz-Initiative hat bei der Ausbildung kaum etwas verbessert.

„Wissenschaftlicher Nachwuchs“: Situation inklusive der Beteiligung von Frauen insgesamt nicht nennenswert verbessert.

Aber immerhin:

„Einbetten der Universitäten in das Wissenschaftssystem“: Die Exzellenz-Initiative hat der Zusammenarbeit von Universitäten und Forschungseinrichtungen einen neuen Impuls gegeben.

„Internationalisierung“: Die Exzellenz-Initiative hat die Internationalisierung der deutschen Forschung fraglos vorangetrieben. Auch sind viele Forschungsbereiche international besser sichtbar geworden.

Eine Bilanz mit Licht und Schatten. Natürlich kann die Schlussfolgerung daraus nicht sein, auf die Exzellenz-Initiative II zu verzichten, sondern sie muss sein, sie besser zu gestalten. Und dabei müssen die Kriterien, die die Imboden-Kommission angelegt hat, nicht sklavisch befolgt werden.

Stichworte aus meiner Sicht wären: Neben der Spitze die Breite nicht vernachlässigen, neben der Forschung auch die Lehre im Auge behalten.

Es ist nicht unsere Wissenschaftspolitik, in der künftigen Universität als „unternehmerisch denkender und handelnder Institution…. die Beseitigung gewisser kollegialer Entscheidungskulturen“ durchzusetzen. Dass ausgerechnet eine von Schweizern dominierte Kommission diesen Geßler-Hut aufstellt, ist schon bemerkenswert.

Die Bundestagsfraktionen von Union und SPD haben vor einem Jahr entschieden, in den kommenden zehn Jahren jeweils mindestens 400 Millionen Euro für eine neue Exzellenz-Initiative bereitzustellen. Die Kommission wünscht sich 500 Millionen. Wer nicht?

Des weiteren empfiehlt die Kommission eine Übergangsphase, um nach Auslaufen der zweiten Förderrunde geordnet in die dritte übergehen zu können. Das unterstützen wir. Gut ist der Ansatz, Forschungscluster künftig stärker in Regionen zu denken, die Förderperioden zu verlängern und flexibler in der Höhe der Förderung zu werden. So könnte auch manch forschungsstarke Fachhochschule ein Stück vom Glanze abbekommen. Nichts abbekommen würde Schleswig-Holstein wohl von der Förderlinie B, bei der 10 Universitäten bundesweit quasi deshalb gefördert würden, weil sie in der Vergangenheit gut waren.

Die schleswig-holsteinischen Universitäten leisten eine gute und erfolgreiche Arbeit, besonders mit den Exzellenzclustern „Future Ocean“ und „Inflammation at Interfaces“; ob sie damit aber eine Chance haben, unter die ersten zehn zu kommen, wage ich zu bezweifeln. Aber uns bliebe die Förderlinie A.

Die Kommission will eine weitere Säule unserer Wissenschaftsstrukturen, nämlich die Graduierten-Schule „Human Development in Landscapes“ stilllegen. Hier hoffe ich auf eine Übernahme der Schulen durch die DFG.

Fazit: Mit 3% der staatlichen Mittel für den Forschungsbereich konnte eine Menge bewegt werden, übrigens auch was Teamgeist an den Hochschulen angeht. Das war gut. Künftig wird es vielleicht noch besser.