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Die entscheidende Strategie ist Prävention und Aufklärung

Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

TOP 37, Maßnahmen zur Suchtkrankenhilfe in Schleswig-Holstein (Drs. 18/3607, 18/3329neu)

Dieser Bericht zeigt auf, dass Suchtkrankenhilfe in Schleswig-Holstein in den unterschiedlichsten Bereichen von vielen Akteuren gut koordiniert wahrgenommen wird. Es gibt eine Vielfalt ehrenamtlicher und professioneller Organisationen, die sich dieses Themas annehmen. Besonders die Selbsthilfegruppen leisten hier Unverzichtbares, da sie ohne Zugangsschwellen viele Menschen, die suchtbelastet ihr Leben bewältigen müssen, erreichen und durch erfahrene ehrenamtlich Tätige wertvolle Hilfen anbieten.

Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat im November 2013 beschrieben, welche Aspekte er bei der Ausgestaltung der Suchtkrankenhilfe berücksichtigt wissen möchte. Und dabei stand an oberster Stelle die Prävention und Aufklärung über die Gefahren von Sucht erzeugenden Stoffen und Angeboten. Denn langfristig ist es die entscheidende Strategie, auf Prävention und Aufklärung zu setzen, um möglichst wenige Menschen in eine Suchtkarriere hineingeraten zu lassen.

Und in diesem Bereich der Prävention ist viel auf den Weg gebracht worden. Die Landesstelle Sucht (LSSH) hat ein vielfältiges und wirksames Angebot aufgebaut, das sich an Schulen, Freizeitstätten und Kindertagesstätten richtet, aber auch auf Partygroßveranstaltungen, besonders im ländlichen Bereich, ausdehnt. Daran wirken aber auch die vielen Beratungsstellen der freien und kommunalen Träger mit, die sich in vielfältiger Form an dieser Aufgabe beteiligen.

So ist z.B. eine deutliche Verbesserung beim Spielerschutz und Aufklärung über die Suchtgefahren des Glückspiels und ein Therapieangebot für diejenigen Menschen, die sich aus dem Strudel der unterschiedlichsten Süchte nicht selbst befreien konnten, erreicht worden.

Daneben steht natürlich auch die Repression, die konsequente Strafverfolgung von kriminellen Dealern und organisiertem Drogenhandel – eine Aufgabe, die die Polizei gerade in Schleswig-Holstein mit wachem Auge wahrnimmt.

Jeden Tag gibt es neue synthetische Drogen, jeden Tag gibt es neue Verunsicherung vor allem bei Eltern. Deshalb dürfen wir nicht nachlassen, mit Prävention und Aufklärung dafür zu sorgen, möglichst viele Kinder und Jugendliche rechtzeitig über die Gefahren von solchen Substanzen, die ihnen auf Partys und anderswo angeboten werden, zu warnen und aufzuklären.

Aber es führt eher selten ein direkter Weg über die Substanz in die Sucht. Am Anfang stehen oft psychische, emotionale Verunsicherungen, die den Weg bereiten, vorhandene Probleme scheinbar mit Drogen lösen zu können. Deshalb ist die emotionale, psychische und soziale Stärkung unserer Kinder und Jugendlichen das erste Mittel der Wahl, sie selbstbewusst, aufgeklärt und stabil zu machen.

Ich will zum Schluss drei Bereiche herausgreifen, die nach meiner Meinung für die Zukunft eine besondere Beachtung verdienen:

Fachkräfte, die in der Gerontopsychiatrie arbeiten, kennen das Phänomen lange: Die Medikamentenabhängigkeit älterer Menschen, vor allem Frauen. Sie – in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen – geraten häufig in eine mit anderen Erkrankungen kombinierte Abhängigkeit von Psychopharmaka. Sie finden dann Hilfen in den gerontopsychiatrischen Krankenhäusern oder entsprechenden Tageskliniken. Und das über Jahre, oft bis zum Lebensende in einem Kreislauf zwischen stationärer Psychiatrie, Tagesgruppe, eigener Wohnung und wieder Krankenhaus. Es ist gut, dass das Sozialministerium gemeinsam mit der Beratungsstelle „Frauen-Sucht-Beruf“ hier ein besonderes Projekt organisiert.

Als zweites möchte ich die Internet- und Spieleabhängigkeit nennen, die unter Jugendlichen stark zunimmt. Auch hier hat das Sozialministerium in der Vergangenheit mehrere Projekte gefördert, die sich diesem Phänomen und betroffenen Personenkreis in besonderer Weise zuwenden, die ich für wichtig halte.

Ein drittes Thema ist die Situation der Familienangehörigen von Suchtkranken. In diesen Familien erleben nicht nur die Suchtkranken selbst, sondern auch die Familienangehörigen, wie die Drogensucht eines Angehörigen das ganze Leben der Familienmitglieder beeinflusst, oft mit tragischen Konsequenzen. Auch hier werden wir in Zukunft überlegen, wie diesen Familien wirksam mit Beratung und Unterstützung geholfen werden kann.

Wie können diese Leuchtturmprojekte, die so wichtig sind, um innovativ auf neue Herausforderungen zu reagieren, finanziert werden? Das, liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU und der FDP, ist deshalb etwas leichter möglich, weil die Regierungskoalition gemeinsam mit dem Sozialministerium die 300.000 Euro, die Sie zu Ihrer kurzen Regierungszeit bei der Suchtkrankenhilfe gestrichen haben, wieder aktiviert haben. Und das ist gut so.