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In der Pflege wird händeringend nach qualifiziertem Personal gesucht

Es gilt das gesprochene Wort!

 

 

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

 

 

Kiel, 5. Juli 2018

 

TOP 20 und 28: Anträge zur Pflegeassistenzausbildung und zu Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen (Drs-Nr.: 19/816)

Ich bin sehr froh, dass das Thema Pflege endlich die gesellschaftliche, politische und mediale Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Lange Zeit war es belächelt und als Randthema in der Gesundheitsversorgung behandelt. Wir Pflegepolitiker wissen, was es bedeutet, dicke Bretter zu bohren. Jetzt, schon mitten drin in der Versorgungslücke, dem chronischen Fachkräftemangel, einer verständlichen frühen Flucht aus dem Beruf, der zum großen Teil unter einem gewinnorientierten Markt leidet, ist es mittlerweile allen klar: ein „Weiter so“ kann und darf es nicht geben. Die Herausforderungen steigen und zwar parallel zu der Anzahl älter werdenden Menschen. Unser Anspruch: Eine humane qualifizierte Pflege und Betreuung durch multiprofessionelle Teams, die den Menschen statt den Gewinn in den Mittelpunkt stellt.

Deshalb sind alle Maßnahmen, die die Pflegeberufe stärken, gut.  Viele Vorschläge hat die SPD, hat die Küstenkoalition auf den Weg gebracht und Weichen gestellt. Ich freue mich, dass die regierungstragenden Parteien da jetzt anknüpfen und Maßnahmen formulieren, die CDU und FDP bislang zum Teil strikt abgelehnt haben. Z.B. unseren Antrag  „mehr Zeit für Pflege“. Wir  haben die Altenpflegeausbildung gebührenfrei gestellt, das Studium eingeführt, die Dokumentation entbürokratisiert, die Pflegeberufekammer sowie eine gesetzliche Personalbemessung auf den Weg gebracht. Wir wollen eine bessere Bezahlung, die durch einen Sozialtarifvertrag gesichert sein könnte und Rahmenbedingungen, die es möglich machen, dass viele den Beruf ergreifen und ihn vor allem physisch und psychisch auch dauerhaft ausüben können. Mit dem heutigen Antrag konzentrieren wir uns auf die Ausbildung. An den folgenden Zahlen können Sie erkennen, wie wichtig und gut es ist, dass die Pflegekammer ihre Arbeit aufgenommen hat.

Knapp 40 % der 21.444 bislang in der Pflegeberufekammer registrierten Pflegefachkräfte sind älter als 50 Jahre. Sie werden in den nächsten 15 Jahren den Beruf verlassen in der Hoffnung, dass sie bis zum Eintritt in das Rentenalter durchhalten. Die meisten schaffen das nicht, was ja für sich genommen schon eine Katastrophe ist. Zusätzlich haben wir eine steigende Anzahl von pflegebedürftigen Menschen und damit einen Mehrbedarf an Fachkräften. Unter Einberechnung eines steigenden Personalschlüssels werden laut Pflegeberufekammer also ca. 30.000 Stellen nachbesetzt werden müssen. Nicht einberechnet sind die Pflegehelfer.

Ob die eine  Antwort der regierungstragenden Fraktionen, „die jeweils Landesbesten auszuzeichnen“, hilft,  weiß ich nicht wirklich.  Schaden tut es jedenfalls auch nicht. Die Zahlen zur Fachkräftesituation liegen mit der  Registrierung der Pflegekräfte durch die Pflegeberufekammer erstmalig für Schleswig-Holstein vor und fordern zum sofortigen Handeln auf. Keine Sonntagsreden mehr, keine Homöopathischen Dosierungen aus Rücksicht vor den meist privaten Anbietern, wie es die FDP jahrelang gerne gemacht hat, sondern radikales Handeln auf allen Ebenen ist notwendig. Dazu begrüße ich die aktuelle Pflegekampagne der Bundesregierung, an der gleich 3 Ministerien beteiligt sind, und hoffe auf schnelle Ergebnisse.

Zur Stärkung der Pflegeberufe gehört für die SPD auch eine Ausbildungsstrategie, die darauf angelegt ist, möglichst vielen jungen, aber auch gerne erfahrenen Menschen den Zugang zu den Pflegeberufen   zu ermöglichen und die ineinandergreift. Die bundesweite generalistische 3-jährige Ausbildung ist auf den Weg gebracht, im Sozialausschuss hat das Ministerium über die Umsetzung  berichtet. Uns fehlt dabei der Blick aufs Ganze, deshalb unser heutiger Antrag, denn die Assistenzausbildung ist Ländersache. Zu den multiprofessionellen Teams gehören auch die gut qualifizierten Assistenzberufe.  Wir fordern parallel zur 3-jährigen Fachausbildung eine eigenständige, generalistische, gerne 2-jährige Ausbildung zur Pflegeassistenz mit einem eigenständigen Berufsbild. Die jetzigen sogenannten Altenpflegehelferinnen sind Gold wert im System. Sie übernehmen die grundpflegerischen Aufgaben, aber auch dafür muss man qualifiziert sein. Bedauerlicherweise kommt nur ein kleiner Teil der schulisch ausgebildeten Pflegeassistenten, die gleichzeitig die mittlere Reife erwerben, in der Pflege an. Aber wir brauchen sie alle händeringend. Bei unserem Vorschlag für die generalistische Assistenzausbildung gilt die gleiche Begründung wie bei der dreijährigen Ausbildung. Die Multimorbidität im Alter erfordert eine Kompetenzbündelung der medizinisch ausgerichteten Krankenpflege und der Sozialkompetenz der Altenpflege. Beides ist für Pflege und Betreuung alter, multimorbider Menschen gleichermaßen wichtig. Die 2-jährige Ausbildung kann auch ein Angebot für diejenigen sein, die die notwendigen schulischen Voraussetzungen für die Fachausbildung nicht mitbringen. Aber dadurch wird ein qualifizierter Einstieg in den Pflegeberuf ermöglicht. Eine Durchlässigkeit der Ausbildungen bis hin zum Studium muss sichergestellt werden. Um angemessen fachlich diskutieren zu können, beantrage ich beide Anträge in den Sozialausschuss überweisen. Denn gerne würde ich mich intensiver über den Einsatz von Robotern oder die Anerkennung ausländischer Abschlüsse unterhalten.