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Anlaufprobleme beim Turbo-Abitur sind kein Argument gegen das Drei-Wege-Modell

Zur Presseberichterstattung über die geringe Erfolgsquote beim Abitur an den G8-Gymnasien erklären die bildungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher von SPD, Bündnis 90/ Die Grünen und SSW, Martin Habersaat, Anke Erdmann und Jette Waldinger-Thiering:

Es war und ist eine richtige Entscheidung, in Schleswig-Holstein drei Wege zum Abitur anzubieten: an den Gymnasien in der Regel nach acht Jahren, an den Gemeinschaftsschulen nach neun Jahren sowie an den beruflichen Gymnasien. Das schafft die Voraussetzungen, die Bildungspotentiale der jungen Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner am besten auszuschöpfen.

Es ist bedauerlich, dass zurzeit nur 57 % der G8-Gymnasiasten das Abitur ohne Klassenwiederholung ablegen (an den früheren G9-Gymnasien lag der Prozentsatz bei 70 %).

Martin Habersaat: „Dass der Abiturjahrgang 2016 nur etwa 50 % größer ist als der Abiturjahrgang 2015 und nicht wirklich ein „doppelter“ Abiturjahrgang, liegt in erster Linie daran, dass nur an Gymnasien von G9 auf G8 gewechselt wurde, nicht aber an Gemeinschaftsschulen und beruflichen Gymnasien. Die Umstellung ist in Schleswig-Holstein nicht optimal gelungen, inzwischen haben sich die Gymnasien aber konzeptionell auf G8 eingestellt.“

Anke Erdmann: „Schleswig-Holstein hat sich den meisten anderen Bundesländern erst 2008 angeschlossen. Warum die Erfahrungen aus anderen Bundesländern so wenig Berücksichtigung fanden und die Einführung ziemlich unausgegoren daher kam, ist nicht nachzuvollziehen. Der Frage, inwieweit die Schülerinnen und Schüler entlastet werden können und müssen, ist damals keine Beachtung geschenkt worden. Das spricht nicht gegen G8. Inzwischen ist der achte Jahrgang G8 am Start – mit dem ersten Durchgang ist das nicht mehr zu vergleichen, an den meisten Schulen läuft es inzwischen rund.“

Jette Waldinger-Thiering: „Der Bildungsdialog der vergangenen Jahre unterstützt unser Drei-Wege-Modell zum Abitur. Wir könnten den Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und beruflichen Gymnasien nichts Schlimmeres antun, als jetzt in eine neue Schulstrukturdiskussion einzusteigen.“

Die Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker der Küstenkoalition stehen in einem ständigen Meinungsaustausch über konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der schulischen Bildung mit den legitimierten Vertreterinnen und Vertretern der Schüler und der Eltern sowie den Lehrergewerkschaften und -verbänden, die ganz überwiegend eine erneute Diskussion um die Wiedereinführung von G9 an Gymnasien ablehnen.