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542 wichtige Bausteine für die Inklusion

Zur Vorstellung eines Arbeitspapiers zur Inklusion durch Bildungsministerin Britta Ernst sagt Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion:

Schleswig-Holstein hat eine lange Tradition bei der integrativen Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit besonderem Förderbedarf. Schon seit 1990 gibt es im Schulgesetz ein Wahlrecht für Eltern, ob sie ihr Kind an eine Förderschule oder eine allgemeinbildende Schule geben wollen. Seit 25 Jahren ist die Integrationsquote in jedem Jahr um zwei bis vier Prozent gestiegen. Jetzt befinden wir uns auf dem Weg von der Integration zur Inklusion, wobei klar ist: Es wird weiterhin Förderschulen geben müssen.

Unsere Schulen brauchen auf diesem Weg Unterstützung – deshalb wurden die Ressourcen für Inklusion seit 2012 kontinuierlich erhöht. Diese Unterstützung ist leider nicht selbstverständlich. Mehrbedarfe hatten CDU und FDP in der letzten Legislaturperiode nämlich noch bestritten: „Die bisherige Entwicklung hat gezeigt, dass sich die inklusive Beschulung im Rahmen der vorhandenen Ressourcen verwirklichen lässt.“ (Zitat aus dem Bericht zur landesweiten Umsetzung von Inklusion in der Schule, Drucksache 17/1568, S.34)

Mit der Vorlage ihres Inklusionskonzepts (Drucksache 18/2065) hat diese Landesregierung bewiesen, dass es ihr nicht im Kern darum geht, wie die Quote der inklusiv beschulten Schülerinnen und Schüler zu steigern ist. In dem Konzept geht es um die Frage, welche Unterstützung die Schulen brauchen und wie wir sie organisieren können. Ziel sind Schulen, die offen sind für alle jungen Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit. Es ist deshalb richtig, die Schulen zu stärken. Dieses Konzept lebt, es wird beständig weiterentwickelt.

Wir diskutieren nicht mehr, ob wir uns auf den Weg zur inklusiven Schule begeben sollen, sondern wie wir ihn gestalten. Wir halten multiprofessionelle Teams zur Unterstützung unserer Lehrkräfte für den richtigen Weg. Schulassistenz ist ein wichtiger Baustein, unsere Grundschulen werden gestärkt – und zwar dauerhaft. Das Land hat 350 Schulassistentinnen und Schulassistenten unbefristet eingestellt. Wir wünschen uns, dass auch alle anderen Träger diese Kräfte unbefristet einstellen. Insgesamt 542 Schulassistenten sind 542 Kräfte an unseren Grundschulen, die vorher nicht da waren und jetzt helfen – allen Grundschulen und allen Kindern dort. Das sind 542 wichtige Bausteine für die Inklusion!

Mit der Einführung der Schulassistenz arbeiten wir weiter an einem Paradigmenwechsel: Es soll nicht mehr erst ein „Mangel“ bei einem Kind festgestellt werden, um die erforderlichen Ressourcen zu erhalten. Schon gar nicht sollen ohnehin schwer belastete Eltern von Pontius zu Pilatus laufen, um Unterstützung zu erreichen. Noch ist das Ziel fern, aber wir sind auf dem Weg.